Illustration zum Thema die Entstehung sexueller Vorlieben.

Selbsthilfe
5. Die Entstehung sexueller Vorlieben

Hier sind einige der dringendsten Fragen, die Menschen mit einer besonderen sexuellen Orientierung oder Vorliebe haben:

Woher kommt das?

Die sexuelle Orientierung wird von einer Kombination aus biologischen, genetischen, hormonellen und Umweltfaktoren beeinflusst. Obwohl es keine einzelne Ursache gibt, deuten Forschungen darauf hin, dass sie sich im Laufe der Zeit natürlich entwickelt und keine Wahl ist.

Warum ich?

Die sexuelle Orientierung variiert von Person zu Person, genauso wie andere Aspekte der Identität. Sie ist ein natürlicher Teil der menschlichen Vielfalt, und es gibt keinen „richtigen“ oder „falschen“ Grund, eine bestimmte Orientierung zu haben.

Wie konnte das passieren?

Eine Anziehung zu vorpubertären und/ oder frühpubertären Kindern ist eine normale Variation der menschlichen Sexualität. Es ist nicht etwas, das durch ein einzelnes Ereignis oder Erlebnis „passiert“, sondern entsteht als Teil der individuellen Entwicklung und Veranlagung.

Kann es geändert werden?

Nein, die sexuelle Orientierung ist etwas, das nicht geändert werden kann oder sollte. Versuche, die eigene Orientierung zu verändern (wie die sogenannte „Konversionstherapie“), sind weitgehend in Verruf geraten und können schädlich sein. Viele psychologische und medizinische Organisationen bestätigen, dass die sexuelle Anziehung zu Kindern eine natürliche und gültige Variation sexueller Vorlieben ist.

Bin ich damit allein?

Überhaupt nicht. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt haben sexuelle Fantasien, an denen Kinder beteiligt sind, und einige identifizieren sich offen als Person mit Pädophilie (PwP) oder von Minderjährigen angezogene Person (MAP). Die wissenschaftliche Schätzung variiert zwischen 0,5% und 5% der Bevölkerung, also mindestens ca. 40.000.000 Menschen. Es gibt viele unterstützende Angebote, Gemeinschaften, Ressourcen und Verbündete, um zwischen sexueller Fantasie und Verhalten zu unterscheiden und Verständnis und Akzeptanz zu vermitteln. Du bist nicht allein, und es gibt ein Netzwerk von Menschen, die ähnliche Erfahrungen und Optionen teilen, um dein Wohlbefinden zu unterstützen.

Hier ist eine Übersicht der wissenschaftlichen Perspektiven:

Die Entstehung sexueller Anziehung ist ein komplexes und vielschichtiges Thema, das Biologie, Psychologie, Soziologie und Evolutionswissenschaften integriert.

Biologische Grundlagen

  • Genetik: Zwillingsstudien deuten auf eine genetische Komponente der sexuellen Anziehung hin, obwohl sie nicht vorbestimmt ist.
  • Hormone & Neurobiologie: Gehirnstrukturen wie der Hypothalamus spielen eine Schlüsselrolle beim sexuellen Verlangen, während Dopamin und Oxytocin Anziehung und Bindung regulieren. Die Exposition gegenüber Sexualhormonen (Testosteron, Östrogen) im Mutterleib und im Laufe des Lebens kann Anziehungs-muster beeinflussen, obwohl eine direkte Ursache-Wirkungs-Korrelation im Zusammenspiel dieser Faktoren weiterhin unklar bleibt.

Evolutionsperspektive

  • Fortpflanzungsstrategie: Die Evolution begünstigt Merkmale, die den Fortpflanzungserfolg erhöhen, was erklärt, warum bestimmte körperliche Merkmale (z. B. Symmetrie, sekundäre Geschlechtsmerkmale) für eine breitere Gruppe von Individuen attraktiv sind.
  • Sexuelle Selektion (Auswahl): Theorien wie die elterliche Investition (Trivers, 1972) legen nahe, dass es Männer und Frauen unterschiedlich  viel Aufwand kostet, um sich fortzupflanzen. Deswegen geht man davon aus, dass Männer und Frauen unterschiedliche Anziehungsmuster entwickelt haben.
  • Verwandtenselektion und gemeinsamer Nutzen: Nicht-fortpflanzungsbezogene sexuelle Orientierungen (z. B. gleichgeschlechtliche Anziehung) könnten bestehen, weil sie Verwandten Vorteile bringen oder den sozialen Zusammenhalt stärken.

Psychosoziale Entwicklung

  • Prägung & frühe Erfahrungen: Psychologische Theorien (z. B. Freud) schlagen vor, dass frühkindliche Erfahrungen spätere Anziehungen prägen, obwohl es völlig unklar bleibt, ob eine bestimmte Erfahrung zu einer spezifischen sexuellen Anziehung führt.
  • Soziale & kulturelle Faktoren: Gesellschaft und Kultur beeinflussen Präferenzen, Normen und besonders die Ausdrucksformen von Anziehung.
  • Veränderlichkeit: Einige Aspekte sexueller Anziehung sind fluid und können sich im Laufe der Zeit aufgrund von Sozialisation und persönlichen Erfahrungen ändern.

Sexuelle Orientierung und Variabilität

  • Sexualität ist ein Spektrum: Forschungen zeigen, dass es keine klare Trennung bei der sexuellen Anziehung gibt (z. B. entweder hetero- oder homosexuell). Vielmehr geht man davon aus, dass alle Menschen sich in der großen Bandbreite aller sexuellen Ausprägungen bewegen und jeder Mensch dort seinen individuellen Platz hat.
  • Epigenetik: Umweltfaktoren können beeinflussen, welche Gene tatsächlich einen Einfluss auf die sexuelle Anziehung haben.

Miniserie: Episode 03

Schuld & Rückblick

Ash lebt das perfekte Leben – zumindest nach außen. Erfolgreich, verheiratet, angesehen. Doch als seine Frau sein Geheimnis entdeckt, bröckelt die Fassade. Ein unausgesprochenes Verlangen, das nicht mehr zu leugnen ist, bringt alles ins Wanken.

Zur gleichen Zeit steht Fiona vor einer ganz anderen moralischen Entscheidung. Eine gestohlene Erinnerung, ein Moment des Verlangens – und die Frage: Was bedeutet wahre Verbindung?

Zwei Geschichten über Selbsttäuschung, Schuld und die Schattenseiten menschlichen Verlangens.

 

Fazit

Sexuelle Anziehung wird allgemein als tief verwurzelt betrachtet und durch ein Zusammenspiel biologischer Veranlagungen, evolutionärem Druck, psychologischer Entwicklung und kultureller Einflüsse geprägt. Während bestimmte Elemente der sexuellen Anziehung starke genetische und neurologische Grundlagen haben können, werden andere durch persönliche und soziale Erfahrungen geformt.

Die schlechte Nachricht ist, dass wir unsere Vorlieben wahrscheinlich nicht ändern werden.

Die gute Nachricht ist, dass wir ändern können, was sie für uns bedeuten und wie wir unsere Anziehungen ausdrücken.

Fazit

Während grundlegende Anziehungen in der Regel stabil bleiben, können bestimmte Aspekte (wie Vorlieben für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, Körpertypen, Aktivitäten oder Verhaltensweisen) sich durch Exposition, emotionales Wachstum und Selbstreflexion entwickeln. Wenn du mit deinen Anziehungsmustern kämpfst, könnte ein Therapeut oder eine Therapeutin (besonders jemand, der im Umgang mit PwP/MAP erfahren ist) dir helfen, deine Gefühle auf unterstützende Weise zu erforschen.

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Troubled Desire Chat und Selbsthilfe

 

Wir nehmen hier wieder neue Teilnehmer*innen für unsere Studie auf. 

Illustration eines Mobiltelefons.

Selbsttest

Illustration von zwei Sprechblasen.